Hier schreibe ich über 
Bücher, anderer Autoren, die mich begeistern, erstaunen, beschäftigen, inspirieren. Neuerscheinungen, Klassiker aus meinem Bücherregal. Gelegentlich auch über Enttäuschungen, Bücher, die zuviel versprochen haben. Aber wie immer gilt, jedes Buch schlage ich mit Neugier auf, bereit, in die Geschichte oder die Bilder einzutauchen...



Meine schöne Buchhandlung
Fotografien von Andreas Licht
Texte von Elizabeth Bandulet und Maria Platte

Das Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin, die Hamburger stories!, das Heidelberger WortReich, die Buchhandlung zur Rose in St. Gallen oder Wortwahl – Salon für Buchkultur in München haben eines gemeinsam: Sie sind schön. Das Wörtchen gilt sonst als abgedroschen und zu allgemein, hier trifft es einen Kern. Die ausgewählten Buchhandlungen aus deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten sind im Sinne Michael Endes schön, der in einem Interview sagte: „Für mich besteht das Schöne immer dort, wo eine Ganzheit von Herz, Kopf und Sinnen hergestellt wird, also dort, wo der Mensch in seine ursprüngliche Ganzheit wieder zurückversetzt wird.“ (in: „Kunst und Politik“, ein Gespräch zwischen Joseph Beuys und Michael Ende, Freie Volkshochschule Argental)
Die Fotos und Begleittexte machen Lust bei einer Städtereise diese Buchhandlungen zu besuchen. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, es werden die Inhaber vorgestellt und auch ihre Beweggründe, sich in Zeiten des „Big Players auf dem Buchmarkt“, wie es im Text heißt, zu behaupten. Ein Laden für Bücher kann etwas, was die tollste Internetseite nicht beherrscht, sie spricht die Sinne an und sie stellt eine individuelle Auswahl vor, die dem Leser keine vorgekaute Kost präsentiert, sondern Entdeckungen und literarische Perlen aufspüren lässt. „Eine gute Buchhandlung ist mehr als eine bloße Verkaufsstätte – sie ist ein Ort der Begegnung und der Inspiration.“ Zitat S. 6.
Außerdem ist dieses Querformat-Buch ein Handschmeichler und eine Augenweide, mit Liebe zur Gesamtausstattung wie alle Bücher des Knesebeck Verlags.




Jeff Kinney
Gregs Tagebuch 12
Und Tschüss!

Eine Urlaubsreise über Weihnachten, noch schlimmer für Greg, ANSTELLE von Weihnachten, d. h. es gibt sonst keine Geschenke. Und das noch dazu, wo Greg noch nie in seinem Leben geflogen ist. Im ersten Teil des Buches geht es um die aufregende Flugreise mit allen Details. Endlich am Urlaubsziel, einer angeblich paradiesischen Insel, auf der seine Eltern waren, bevor er und seine beiden Brüder geboren wurden, läuft wie gewohnt vieles schief, oder eben anders als Greg es erwartet und erhofft.
Wer auch immer die Idee hatte, diese Insel als „Paradies“ zu bezeichnen, scheint ein ziemlicher Scherzkeks gewesen zu sein. Bei uns zu Hause stehen die Menschen an der Spitze der Nahrungskette. Aber auf der Isla de Corales frisst alles die MENSCHEN.“, sagt Greg auf S. 201. Wie immer ergänzen die genialen Bilder den Text, die Illustrationen sind also eigenständige Teile der Handlung, das macht die Reihe so besonders. Die Handlung ist allerdings etwas ruhiger geworden, nicht so „gagreich“ wie die ersten Bände der Reihe, wo man aus dem Kichern nicht mehr herauskam, doch wie immer gibt es einen netten Spannungsbogen, die Kunst des Erzählens beherrscht der Autor nach wie vor. GREG und die Familie Heffley hat sich längst einen festen Platz in der Comic-Roman-Welt geschaffen und bleibt einfach ein Lese- und Betrachtungsgenuss!

Hier ist der Link zu Gregs Website.
Buchinfos: 216 S., Hardcover, mit vielen Illustrationen, Baumhaus Verlag




Labor Ateliergemeinschaft
Ich so, Du so
Alles supernormal
Kinderbuch mit vielen Abbildungen

Jeder ist einzigartig! Ein wahrer Genuss für alle Sinne ist das neue Buch der Ateliergemeinschaft Labor, die aus einer Gruppe bekannter Illustratoren und Autoren besteht: Kirsten Fabinski,Zuni Fellehner, Anke Kuhl, Alexandra Maxeiner, Jörg Mühle, Moni Port, NataschaVlahović und Philip Waechter. Diesmal geht’s ums verschieden sein. Einer ist verträumt, einer groß, manche haben eine andere Hautfarbe. Was ist normal? Auf vielerlei Arten nähern sich die Künstler in diesem Buch dem Thema an, das macht großen Spaß, regt zum Nachdenken an und inspiriert, den Alltag und auch den Sonntag aus anderen Perspektiven zu betrachten. Philip Waechters ganz persönliche Katastrophe im ersten Schuljahr und wie sie sich wieder in Luft auflöste oder wenn man verliebt ist, ist nichts mehr normal. Eine Anziehpuppe ohne Genderzwang. Ein Fragebogen zum Ausfüllen oder kopieren und an Freunde zu verteilen. Wie der Adventskalender 1879 entstand, auf recht bescheidene Weise und vieles mehr. Dazwischen und auch zuletzt gibt es Interviews mit sehr persönlichen Fragen, gezeigt werden dazu Fotos aus der Kindheit der Befragten und als Fan der Ateliergemeinschaft darf man raten, wer sich dahinter im heute „gesetzten“ Alter verbirgt.


Buchinfos: 176 S., Paperback, mit vielen farbigen Illustrationen, Beltz & Gelberg Verlag








Ulf Nilsson
Ein Fall für Buffy
Kommissar Gordon-Reihe
illustriert von Gitte Spee
Kinderbuch

Was kann schlimmer sein, als die eigene Mama zu verlieren? Als Kommissar Gordon, ein Kröterich und seine neuen Hilfspolizisten Bert und Gertrud, eine junge Maus und ein Fröschlein, das hören, fangen sie zu weinen an. Und können fast nicht mehr aufhören. Buffy, eine Maus, die seit den vorigen Bänden der Reihe in der Waldpolizei arbeitet, erzählt von dieser Trennung oder eigentlich nicht, denn ihr fehlt die Erinnerung. Ihre Mama war einfach plötzlich weg, zusammen mit ihren vielen Geschwistern. Gordon ermittelt. „Allerdings konnte man bei Mäusen nie so ganz sicher sein…Vielleicht verließen Mäuse ihre Familie und verschwendeten dann keinen Gedanken mehr an die Sache. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich alle wie eine ganz normale Kröte verhalten. Wir Tiere sind ja alle verschieden.“ (S. 28/29) Aber wie anfangen, wo sich Buffy doch an nichts erinnern kann? Da hilft bloß dichten, Gordon fordert seine Kollegin auf, Gedichte über ihre Mama zu schreiben und das tut sie und es hilft. Herrlich untermalt von den pastellfarbenen Illustrationen von Gitta Spee, sehen wir (Vor)leser eine Maus im großen Ohrensessel, vertieft ins Reimen. Mit diesen Versen als Reiseführer beginnt die Suche nach Buffys Herkunft. Mitzuverfolgen ist das Ganze im Vor- und Nachsatz auf einer wunderschön gezeichneten Karte. In diesem spannenden Abenteuer lösen Kommissar Gordon und seine Freunde den vielleicht allerwichtigsten Fall. Ein großer Genuss und Lesespaß für Groß und Klein.

Buchinfos: Moritz Verlag, Hardcover, 126 Seiten. Einen Blick ins Buch und weitere Infos, gibts hier. 




Carmen Korn
Zeiten des Aufbruchs
Hörbuch
Gelesen von der Autorin

Die Freundschaft von vier Frauen, die das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg auf ihre ganz persönliche Weise erleben. Wie schon im ersten Teil „Töchter einer neuen Zeit“ teilen Henny, Käthe, Ida und Lina auch in diesem zweiten Teil der sogenannten „Jahrhundert-Trilogie“ Glück und Leid im zerstörten Hamburg miteinander. Nun werden sie endlich belohnt für die Mühen des Wiederaufbaus. Mal spiegelt sich der Erfolg in den eigenen Kindern, mal, wie Lina, die eine Buchhandlung gründet, stellen sie selbst etwas auf die Beine. Ich gehe gerne in Lesungen, höre dem authentischen Ton der Schöpferin ihres Werkes zu. Ein Hörbuch ist für mich allerdings eine andere Ebene als eine Lesung, hier fiel es mir schwer, die schwankende, gefühlsbetonte Stimme der Autorin von der Geschichte zu trennen und somit ganz in den Text einzutauchen. Ich werde wohl besser meiner eigenen Stimme im Kopf folgen und die Geschichte als Buch lesen.


Hörbuchinfos: 9 CDs, gekürzte Lesung, Random House Audio




Markus Orths
Das Zebra unterm Bett
Illustriert von Kerstin Meyer
Kinderbuch

Ohne große Erklärung liegt eines Tages unter Hannas Bett ein echtes Zebra. Gerade als sie
mit ihren zwei Papas umgezogen ist, alles seine Eingewöhnungszeit braucht. Da kommt ein guter Freund an der Seite gerade recht. So kann Hanna sich kümmern, mit dem Zebra die neue Umgebung erkunden. „Bräuninger“, wie das Zebra heißt, begleitet Hanna nicht nur in die neue Schule, es wird sogar ihr neuer Mitschüler, was dem Direktor allerdings missfällt. Doch in der Schulordnung steht nichts über Zebras, und außerdem ist Bräuninger auch noch sehr gut in allen Fächern.
Markus Orths, dessen aktueller Roman „Max“ mich sehr begeistert hat, schreibt nicht nur für Erwachsene in einem ganz eigenen Erzählton. In diesem Kinderbuch gelingt es ihm mit wenigen Worte viel zu sagen. Perfekt ergänzen Kerstin Meyers aufs wesentliche reduzierte Aquarelle den Text. So bestehen Hanna und Bräuninger noch weitere Abenteuer in dieser vergnüglichen, rundum gelungenen Geschichte zum Vorlesen oder Selberlesen.






Andrea D’Aquino
Es war einmal ein Stück Papier
Das Praxisbuch Collagen

Man sieht Fotos, Farben, anregendes Papier und kombiniert es zu etwas Neuem, ergänzt es eventuell noch mit einer Zeichnung oder Wörtern. So entsteht eine Collage, mal ist die Idee vorher da, mal entsteht sie im Machen. „Hören Sie auf zu denken, alles müsse einen Sinn haben“, regt Andrea D’Aquino in ihrem Buch an. Denn oft ist die Kreativität nicht so laut wie der innere Kritiker, der alles in Frage stellt. Einfach loslegen, ausprobieren, mit Papieren und Formen spielen, bringt aber jeden Zweifler zum Staunen. „Machen Sie die ganze Welt zu Ihrer Palette.“ Wie, das zeigt die Autorin auf ungewöhnlich Weise, und sie gibt sogar Starthilfe. Die Inspiration springt die Leserin direkt an. Wer Schere und Kleber parat hat, kann sogar sofort loslegen, denn dem wunderschönen Buch ist eine Papiersammlung beigefügt, schnippeln erlaubt!


Buchinfos:
Hardcover, durchgehend farbig illustriert und Extra mit 50 Buntpapieren, 112 Seiten, Haupt Verlag


Walter Moers & Florian Biege
Die Stadt der träumenden Bücher
Teil 1: Buchhaim
Graphic Novel



Farbenprächtig, fantasievoll und detailreich entfaltet Florian Biege den ersten Teil des großen Romans von Walter Moers in diesem langersehnten Band. Die Geschichte ist für alle Vielleser gemacht, geht es doch um Bücherjäger, Büchermonster, Geschichtenerfinder und -finder, dunkle Antiquariate und unterirdische Bibliotheken. Spätestens jetzt weiß man, dass Hildegunst von Mythenmetz ein Drache ist und ganz Buchhain von nichtmenschlichen Wesen bevölkert ist. Nun hat die persönliche Fantasie, die sich vielleicht selbst (als nur drachenähnliches Wesen) durch die reinen Textseiten von Moers‘ Roman wandeln sah, eine beweiskräftige Ergänzung aus der Vorstellungswelt des Illustrators Florian Biege erhalten. Dass dabei durch die starke Kürzung des Textes, logischerweise hauptsächlich auf Sprechblasen beschränkt, etwas vom Moers’schen Sprachzauber verloren geht, ist schade. Aber uns bleibt ja noch das dicke Buch selbst zum Vergleich.

Buchinfos: Geb. durchgehend vierfarbig, 108 Seiten, Knaus Verlag



Deana Zinßmeister

Das Auge von Licentia

Jugendbuch

Für die einen ist es wie im Mittelalter, das Leben mit Wölfen und einfachen Gerätschaften, für die anderen eine Reality-Show; "Das Auge von Licentia" ist das erste Jugendbuch von Deana Zinßmeister. Sehr gekonnt verbindet die Autorin beide Welten, die voyeuristische Fernsehwelt mit einer zarten Liebesgeschichte. Man merkt wie immer bei all ihren Romanen, dass sie gründlich recherchiert hat, ob Drohnen oder der Umgang mit Wölfen, alles ist stimmig eingefügt. Bis sich das Geheimnis von Licentia lüftet, steigert sie die Spannung von Seite zu Seite und entlässt die Leser atemlos staunend. 

Buchinfos: 
Arena Verlag, Hardcover, 320 S.